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Denke groß, fang klein an…

Der Wille zur Innovation, strategisches Denken und Unternehmergeist – dafür steht die Schumbeta-Konferenz in Wien. Am 6. und 7. September präsentierten bereits zum vierten Mal mehrere Sprecher aus der Wirtschaft ihre Projekte, Ideen und Gedanken zu den Themen Innovation und Innovationsstrategie.

Eine der beiden Keynotes hielt Carl von Gablenz. Der Nachkomme berühmter deutscher Luftfahrtpioniere machte Mitte der 1990er bis Anfang der 2000er Jahre mit einer visionären Idee von sich reden. Er plante nicht weniger als eine Renaissance der kommerziellen Großschiffluftfahrt. Seine Idee: Der Transport von bis zu 160 Tonnen Ladung über eine Entfernung von mehreren tausend Kilometern mithilfe moderner Großluftschiffe.

Zu hohe Entwicklungskosten sowie ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld führten jedoch schließlich zur Insolvenz des Unternehmens im Jahre 2002. In seiner Schumbeta-Keynote sprach von Gablenz über den fulminanten Aufstieg, das Scheitern und warum es radikale Innovationen schwer haben sich am Markt durchzusetzen.

Dabei formulierte er zehn Thesen:

  1. Wenn du Angst hast, lass es bleiben.
  2. Es nicht zu wagen, würdest du dir nie verzeihen.
  3. Denke GROSS, fang KLEIN an.
  4. Der wahre Große ist der Kleine.
  5. Alle Wege führen nach Rom.
  6. Du überzeugst nie alle.
  7. Der wichtigste Geist ist der Zeitgeist.
  8. Perfektion ist Zeitlupe.
  9. Pflege deine Freunde, meide deine Feinde und hüte dich vor deinen Scheinfreunden!
  10. Interesse zählt erst, wenn es mit Geld unterlegt ist.

Was lässt sich aus diesen Thesen für das Projektmanagement lernen?

Insbesondere die dritte von von Gablenz’ Thesen ist für das Projektmanagement wertvoll. Der große Rahmen, die große Vision bei Entwicklungsprojekten muss klar sein. Doch für eine kluge Umsetzung reicht die Vision bei weitem nicht aus. Im Gegenteil. Das Wesentliche ist das Definieren von strategischen und – noch wichtiger – smarten operativen Zielen. Erst diese ermöglichen eine effektive und effiziente Steuerung von Projekten.

Im Rahmen meiner Tätigkeit bei Siemens Electronic Tolling sind wir genau nach diesem Prinzip vorgegangen. Für die Entwicklung und Markteinführung eines umfassenden elektronischen Maut-Systems haben wir die große Lösung vor Augen gehabt, jedoch im Kleinen begonnen.

Mit der Planung und der Entwicklung von Pilotanlagen konnten wir beispielsweise – bei relativ geringem Risiko – Erfahrungen sammeln, unsere Ziele überprüfen und anpassen sowie die Idee im Großen optimieren. Das Zerlegen des großen Ganzen in kleinere, bearbeitbare Segmente ermöglichte erst den erfolgreichen Abschluss des Projektes. Durch die schrittweise Annäherung nahm die umfassende Maut-Gesamtlösung als große Vision Gestalt an. Mit der Slowakei übernahm daraufhin auch erstmals ein ganzes Land die Siemens Electronic Tolling-Lösung – ganz im Sinne der These des Visioniärs von Gablenz: „Denke groß, fang klein an“.

Alpbach-Workshop: In das nächste Regierungsprogramm müssen Zielvereinbarungen

„Im nächsten Regierungsprogramm soll nicht nur stehen, welche Ziele die neue Bundesregierung verfolgt, sondern auch mit welchen ganz konkreten Maßnahmen sie diese Ziele erreichen will“ (Link zur OTS-Meldung) – so lässt sich das Ergebnis unseres Arbeitskreises auf dem Europäischen Forum Alpbach 2013 zusammenfassen.

Auf Basis der Ergebnisse der Arena Analyse 2013 diskutierten wir, was es braucht, um das Vertrauen der Bürger in die Politiker und deren politisches Handeln zurück zu gewinnen. Bisher geht die Politik die großen Herausforderungen wenig strukturiert und zielorientiert an.

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Für die Diskussion im Rahmen unseres Alpbach-Workshops entschieden wir uns dieses Mal für eine intensive und direkte Einbindung der Teilnehmer. Ein „Gamestorming“-Setting sowie eine abgewandelte Form eines World-Cafes sorgten für eine dynamische und inspirierende Atmosphäre unter den Workshop-Teilnehmern. An Thementischen entwickelten die Teilnehmer Ideen und Lösungsansätze zu wichtigen Fragen rund um Ergebnisverantwortung in der Politik.

Was das Projektmanagement beisteuern kann

Die Ergebnisse sind eindeutig: Mehr persönliche Verantwortlichkeit im politischen System, mehr Transparenz bei politischen Prozessen und mehr Möglichkeiten der Partizipation sind dringend notwendig.

Auch was die Formulierung von strategischen und smarten operativen Zielen vor einer Regierungsperiode sowie die Evaluierung der Ergebnisse im Anschluss daran angeht, herrschte Einigkeit: Es braucht das Prinzip Ergebnisverantwortung in der Politik. Betroffene müssen stärker in Diskussion und Evaluierung eingebunden werden.

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Der Ansatz Ziele SMART zu formulieren, stammt aus dem Projektmanagement und sichert die Messbarkeit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Zielvorgaben. Wichtig ist dabei vor allem, dass auf operativer Ebene realistische Ziele formuliert werden. So lässt sich nicht bloß die persönliche Verantwortlichkeit von Politikern sowie der politische Output insgesamt verbessern, sondern es steigt auch die Akzeptanz für politische Entscheidungen und Maßnahmen in der Bevölkerung.

Wie geht es weiter?

Die Ergebnisse des Workshops sind eine klare Forderung an die Politik: Für bessere Ergebnisse sind Instrumente wie klare Zielvorgaben und Evaluierungsprozesse und die Diskussion mit möglichst vielen Betroffenen nötig. Schon das kommende Regierungsprogramm soll dazu strategische und smarte operative Zielvorgaben enthalten. Gespräche mit den einzelnen Justizsprechern der Parlamentclubs sind bereits geplant.

Was kann die Politik vom Projektmanagement lernen?

Die Ergebnisse der aktuellen Eurobarometer-Befragung sind eindeutig: Nur jeder zweite Österreicher vertraut der österreichischen Regierung, nur 53 Prozent vertrauen dem Parlament und nur noch 37 Prozent vertrauen den politischen Parteien in Österreich. Zwar steht Österreich im EU-Vergleich noch recht gut da, doch der Trend zeigt eine weiter absteigende Tendenz. Die Österreicherinnen und Österreicher verlieren mehr und mehr das Vertrauen in ihre politische Institutionen.

Die in der Arena Analyse 2013 befragten Experten sehen einen Grund für diese Entwicklung in der fehlenden Verantwortlichkeit des politischen Führungspersonals. Durch ein fehlendes Commitment von Regierungspolitikern zu ihren selbstdefinierten Zielen, kommt es zum viel diskutierten „politischen Stillstand“. Die großen politischen Herausforderungen werden nicht angegangen.

Wie bereits in anderen Artikeln erläutert, fehlt es vor allem an einem: klar definierte und evaluierbare Ziele. Das Prinzip der Verantwortlichkeit für das eigene Handeln muss Einzug in das politische System in Österreich halten. Das in der Wirtschaft bewährte Prinzip des Herunterbrechens von Visionen in strategische und operative Ziele könnte politische Prozesse bereichern und für mehr Bewegung in Zeiten politischen Stillstands sorgen.

Die Politik kann vom Projektmanagement lernen

Doch wie könnte dies in der Realität politischer Prozesse aussehen? Hier hilft ein Blick über den Tellerrand hinaus in Richtung Projektmanagement. Üblicherweise steht am Beginn eine Vision. Die gibt es zumeist bereits in der Politik. Insbesondere in Zeiten von Wahlkampf und intensivem politischen Wettbewerb, werben Politiker vor allem mit Visionen um die Gunst der Wählerinnen und Wähler.

Doch genau hier muss es nun auch konkreter werden. Wie wäre es zum Beispiel, wenn die gewählte Regierung diese Visionen nach einer Wahl in strategische und operative Ziele für eine Regierungsperiode konkretisiert? Dabei wäre wichtig, dass die Ziele im zeitlichen Rahmen umsetzbar, spezifisch, realistisch und messbar sind: sie sollten smart formuliert sein. So könnte der Rechnungshof der Regierung das Erreichen der selbst definierten Ziele überwachen und kritisch begleiten. Dem Parlament würden entsprechend sogenannte Midterm Reviews (Zwischenberichte) und die Endergebnisse berichtet werden.

In der Analogie zum Projektmanagement im Kontext der Privatwirtschaft fungieren Rechnungshof und Parlament als eine Art Aufsichtsrat – im Sinne von Kontrolle und Controlling. Die Regierung bzw. die in der Regierung agierenden Politiker hätten sich viel stärker zu ihren eigenen Aussagen und Zielen zu commiten. Sie wären für ihr Handeln viel stärker verantwortlich.

Große politische Herausforderungen vom Konkreten angehen

Übersetzt in das politische System in Österreich hieße dies, dass die regierungsbildende Koalition in ihren Koalitionsverhandlungen ein Regierungsprogramm mit konkreten strategischen und operativen Zielen ausformuliert. Derzeit sind Regierungsprogramme eher durch lose Absichtserklärungen gekennzeichnet und offen gestaltet.

In Anlehnung an das Projektmanagement könnte in Zukunft die Regierung ein solches Programm dem Parlament im Rahmen der Regierungserklärung  vorstellen. Das Parlament und der Rechnungshof als Kontrollinstanzen hätte damit deutlich mehr Einfluss und Steuerungskontrolle über die Handlungsabsichten der Regierung. Zum Abschluss einer Regierungsperiode würden die selbstdefinierten Ziele, zu denen sich die Regierung bekannt hat, wiederum vom Parlament beispielsweise mit Unterstützung des Rechnungshofes evaluiert.

Die Auswirkungen gingen dabei weit über mehr Transparenz und Verbindlichkeit in der Politik hinaus. Mit dem Bekenntnis zu messbaren und verbindlichen Zielen würden sich auch die Ziele und damit die politischen Handlungen selbst ändern. Die großen politischen Herausforderungen würden in kleinere Projekte zerlegt und bearbeitet. In der Gesamtheit ergäben die vielen kleinen Bausteine dann die große Reform.

Wie könnten Konsequenzen aussehen?

So stellt sich zwangsläufig die Frage nach den Konsequenzen, die eine Evaluierung durch den Rechnungshof und das Parlament mit sich bringen müsste. Wie kann das Erreichen bzw. Verfehlen von Zielen sanktioniert werden? Diese und andere Fragen sind natürlich entsprechend zu diskutieren. Fest steht jedoch, dass es einen Wandel des Systems politischer Prozesse in Österreich braucht.

Im Sinne eines klugen Projektmanagements gilt jedoch auch für meine Vorschläge zur Optimierung der derzeitigen Abläufe politischer Prozesse: Eine mögliche Implementierung muss sinnvoll und nachhaltig angegangen werden.

Zum Beispiel indem man die skizzierte Vorgangsweise zur Formulierung von strategischen und operativen Zielen zunächst auf drei wichtige, gleichzeitig jedoch einfach strukturierte Vorhaben anwendet. So könnten Regierung, Verwaltung und die Kontrollinstanzen Erfahrungen sammeln und testen, wie die Details solcher Prozesse aussehen.