Nicht Übung, sondern Experimente machen den Meister

Wer in der Businesswelt zu neuen Lösungen kommen, muss eine Struktur schaffen, in der Experimentieren zur Norm wird, sagte Gerhard Fehr von FehrAdvice & Partners bei der Academy of Behavioral Economics am Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) im Jänner 2018. Während das vor allem für die großen Player und Digital Onlys längst Standard ist, ortet er bei den meisten Unternehmen viel Aufholbedarf.

Ein Plädoyer für eine neue Experimentierkultur hielt Gerhard Fehr, CEO von FehrAdvice & Partners, beim Symposium bei der Academy of Behavioral Economics 2018 am GDI (Gottlieb Duttweiler Institute) Ende Jänner. Unternehmen, die erfolgreich mit Digitalisierung umgehen, würden außerordentlich viele Experimente durchführen, vor allem die großen Player und Digital Onlys. Spitzenreiter ist Facebook mit mehr als 100.000 Experimenten jährlich – sogar noch weit vor Google oder P&G mit jeweils 7.000 Experimenten.

Um für die Herausforderungen der Digitalisierung gewappnet zu sein, müssen Unternehmen also dringend bestehende Technologien und Businessmodelle optimieren. Etwa in Hinblick darauf, dass Aufmerksamkeit aus Sicht der Verhaltensökonomie heute die knappste Resource ist. Doch die meisten Unternehmen würden kaum oder gar keine Experimente durchführen, gab Fehr zu bedenken. Vor allem falle das bei traditionellen Unternehmen auf und auch große Teile der Medienindustrie hätten das lange verschlafen.

„Sie brauchen 10.000 Experimente – fangen Sie heute an!“

Dabei stelle sich oft gar nicht so sehr die Frage, ob Unternehmen experimentierfähig sein wollen, sondern vielmehr, ob sie es sein können. Dazu brauche es nämlich eine „experimental culture“, die schon durch den CEO – wie etwa bei Amazon – vorgelebt wird. Fehrs Tipp: „Sie müssen Ihr Leadership ändern und möglicherweise brauchen Sie dazu auch neue Tools.“ Zudem müssen Unternehmen beginnen, Prototypen zu bauen und durch systematische Tests Feedback zu bekommen, immer besser zu werden. Doch noch hätten kaum Unternehmen überhaupt die Möglichkeit, selbst, schnell und einfach zu testen.

Wer Businessmodelle optimieren will, schafft das nicht durch Üben, denn: „Wir kommen nicht zu neuen Lösungen, wenn wir immer wieder das Gleiche machen.“ Daher müssen eine experimentierfreundliche Struktur schaffen, um wirksame Verhaltensänderungen zu erreichen und fit für die Zukunft zu werden. Fehrs abschließende Message: „Sie brauchen 10.000 Experimente – fangen Sie heute an!“

Experimentability als digitale Kernkompetenz

Die nächste Academy of Behavioral Economics findet übrigens am 30. Jänner 2019 zum Thema „Experimentability als digitale Kernkompetenz für Unternehmen – Wie werden Sie zu einem nachhaltig experimentierfähigen Unternehmen?“ statt.