Kooperation steht immer über dem Konflikt

Wir Menschen setzen stärker auf Kooperationen als auf Konflikte, denn sie sichern nicht zuletzt unser Überleben. Damit Kooperationen funktionieren können, braucht es aber als Basis strenge soziale und kulturelle Normen und auch Sanktionen für nicht-kooperatives Verhalten.

In seiner Keynote beim Europäischen Forum Alpbach sprach mein Bruder, der Vorarlberger Ökonom Ernst Fehr, der an der Universität Zürich Mikroökonomik und Experimentelle Wirtschaftsforschung lehrt, über Konflikt und Kooperation in Gesellschaft, Wirtschaft und Staaten.

Dabei wurde klar, dass der Konflikt zwar überall in besonderem Ausmaß präsent ist, uns die Kooperation, also die Zusammenarbeit, jedoch viel stärker prägt. Denn Kooperationen sind im Alltag, in der Gesellschaft, innerhalb von Gruppen wie etwa Familien genauso wie auch in der Wirtschaft nicht zuletzt überlebenswichtig. Weil sie aber praktisch ständig passieren, fallen sie uns oft gar nicht auf und wir fokussieren eher auf den Konflikt als auf die Bereitschaft zur Kooperation und ihre positiven Auswirkungen. Hier ein Interview mit Ernst Fehr im Magazin Trend.

Damit Kooperationen funktionieren, braucht es aber als Basis strenge soziale und kulturelle Normen, an denen sich alle orientieren können und müssen: in der Gesellschaft genauso wie in der Wirtschaft und im staatliche Bereich.

Auch ist unser Wille zur Kooperation immer an bestimmte Erwartungshaltungen geknüpft: Was machen andere, wie kooperieren sie? Das Verhalten unseres Umfelds hat also stets Einfluss darauf, wie wir selbst interagieren. Hier kommen die Vorbilder ins Spiel, in Unternehmen zum Beispiel Führungskräfte, deren Verhalten absolut mitentscheidend dafür ist, ob Kooperationen zustande kommen und erfolgreich sind oder eben nicht.

Damit Kooperationen funktionieren, braucht es außerdem (legitimierte) Sanktionen, die nicht-kooperatives Verhalten ahnden. Dazu nannte Ernst Fehr das Pariser Klimaabkommen als Beispiel. Die teilnehmenden Staaten verpflichten sich freiwillig zur Reduktion von Treibhausgasen, doch wer die Ziele nicht einhält, muss keine Konsequenzen fürchten. Das macht solche Kooperationen extrem brüchig. Nachzulesen auf derstandard.at

Foto: Markus Prantl

Franz Fischler, Präsident Europäisches Forum Alpach, Corinna Fehr, Ernst Fehr und Gerhard Fehr bei der Eröffnung der Wirtschaftsgespräche zum Europäischen Forum Alpbach 2017 (Foto: Markus Prantl)