Kategorie-Archiv: Vienna Behavioral Economics Network

Wien - VBEN | Andrew Oswald: Happiness and Work

Was Mitarbeiter glücklich macht – Andrew Oswalds Keynote „Happiness and Work“ beim VBEN-Treffen

Beim VBEN-Netzwerktreffen im November sprach der Glücksforscher Andrew Oswald darüber, warum glückliche Mitarbeiter produktiver sind – und was sie dafür brauchen.

Beim siebten Netzwerktreffen des „Vienna Behavioral Economics Network“ (VBEN) gingen wir der Frage nach, was Menschen im Job glücklich macht und wie sich das auswirkt. Rund 90 Zuhörerinnen und Zuhörer lauschten am 14. November in einem Hörsaal der Arbeiterkammer Wien der Keynote des Glücksforschers Andrew Oswald, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Warwick.

„Happiness and Work“ lautete der Titel von Oswalds Vortrag, in dem er zunächst erklärte, was Menschen zu brauchen glauben, um im Job glücklich zu sein. In erster Linie würden diese Job-Sicherheit und eine interessante Tätigkeit erwähnen, außerdem die Möglichkeit, weitgehend unabhängig zu arbeiten, beruflich aufzusteigen, eine für die Gesellschaft sinnvolle Tätigkeit auszuüben und über ein hohes Einkommen zu verfügen. Nicht alles davon, jeweils für sich betrachtet, macht jedoch wirklich glücklich, zeigt die Forschung. Insgesamt, betonte Oswald, sei der Grad der Zufriedenheit von Menschen in europäischen Ländern aber jedenfalls hoch.

Es geht nicht nur ums Geld

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Was manche vielleicht überraschen wird: In Wirklichkeit spielt das Gehalt zwar schon eine Rolle, aber bei Weitem nicht die größte. Zwar mache mehr Geld kurzfristig glücklich, aber diese Wirkung lasse ziemlich schnell wieder nach. Wir vergleichen uns ständig mit anderen und wenn wir sehen, dass andere mehr haben als wir, werden wir rasch wieder unglücklich. Das wiederum wirkt sich auf unsere Zufriedenheit aus und hat zur Folge, dass die Leistung abnimmt. Geld alleine ist also nicht unbedingt ein brauchbares Mittel, um Menschen produktiver zu machen.

Aus einem ähnlichen Grund sieht Oswald auch Gehältertransparenz, wie sie in einigen Ländern bereits eingeführt wurde, eher kritisch. Auf der einen Seite gebe es gute Argumente dafür, zum Beispiel wenn es um Genderungleichheiten geht, doch auf der andere Seite macht es uns zumindest nicht glücklicher, wenn wir sehen, dass andere mehr bekommen als wir. Im schlechtesten Fall macht es uns sogar unglücklicher.

Glückliche Mitarbeiter sind produktiver

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Unternehmen und Organisationen sollten auf jeden Fall sehr darauf achten, dass ihre Mitarbeiter glücklich und zufrieden sind, denn das macht sie produktiver, betonte Oswald. Dafür gebe es inzwischen sogar wissenschaftliche Beweise. Auch er, obwohl er sich schon so lange mit diesem Thema beschäftigt, könne im Endeffekt nur Anhaltspunkte bieten, denn in der Forschung stehe man erst am Anfang und müsse noch viele Experimente durchführen, um verlässliche Ergebnisse zu bekommen. Besonders herausfordernd sei dabei die Frage, wie die voranschreitende Digitalisierung die Arbeitswelt verändern wird.

Was in Untersuchungen festgestellt wurde, ist, dass zwischen dem Grad der Zufriedenheit von Mitarbeitern und der Umsatzentwicklung ein direkter Zusammenhang besteht. Ein weiterer Nebeneffekt, wenn uns der Job nicht glücklich macht: Wir sind anfälliger für psychische und auch für körperliche Erkrankungen. Ein höheres Stresslevel etwa schwächt das Immunsystem.

Gute Chefs sind essenziell

Besonders wesentlich, um glückliche und damit produktive Mitarbeiter zu haben, ist es, ihnen gute Chefs vorzusetzen. Was einen guten Chef ausmacht, daran scheiden sich mitunter die Geister, es sollte aber in jedem Fall jemand sein, der kompetent und empathisch ist. Am glücklichsten scheinen Menschen zu sein, wenn ihre Vorgesetzten die Organisation bereits sehr gut kennen und, sollte das notwendig sein, sogar ihren Job erledigen könnten.

Was Mitarbeiter keinesfalls wollen, ist zu viel Kontrolle, schon gar nicht durch Chefs und Maschinen. Im Gegenteil: Wir schätzen es, möglichst frei und unabhängig arbeiten zu können, auch das macht uns glücklich und damit produktiver. Was Oswald außerdem feststellte: Dass die Zufriedenheitskurve in der Mitte des Arbeitslebens merkbar abfällt. Erklärbar sei das möglicherweise mit einer Art „mid-life depression“.

Erkenntnisgewinn durch Zahlen und Daten

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Anschließend an Oswalds Keynote erzählte Doris Tomanek, Mitglied des Vorstandes der UniCredit Bank Austria AG und dort für den Bereich „Human Capital“ verantwortlich, aus der Praxis, wie sie den Zusammenhang zwischen glücklichen Mitarbeitern und produktiver Arbeit erlebt. Gerade bei Umstrukturierungsprozessen, sagte sie, sei die Motivation der Mitarbeiter ein wesentlicher Punkt. Generell sei unter anderem hilfreich, dass heute bereits viele Zahlen vorliegen würden, aus denen man Erkenntnisse erlangen könne – hier habe sich in den letzten zehn bis 15 Jahren viel getan. Sehr wichtig sei es auch herauszufinden, weshalb Menschen das Unternehmen wieder verlassen.

Zum Thema Jobsicherheit sagte Tomanek, die jungen Generationen sei noch relativ stark von ihren Eltern beeinflusst worden, wo Jobsicherheit eine starke Rolle spielte. Das werde sich aber in den nächsten Jahren ändern, ist sie überzeugt. Sie bestätigte auch, dass Chefs einen wesentlichen Anteil an der Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter haben: Diese müssten vor allem den Job verstehen und einfach gute Leader sein.

Zum Schluss war noch Zeit für Fragen aus dem Publikum, die Oswald und Tomanek gemeinsam beantworteten. Das nächste VBEN-Netzwerktreffen, das Interessierten einen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis ermöglicht, wird 2018 stattfinden.

Interview mit Andrew Oswald auf derstandard.at: „Kinder machen nicht glücklicher“
http://derstandard.at/2000067969418/Oekonom-Kinder-machen-nicht-gluecklicher?

Mehr über Andrew Oswalds Forschung: andrewoswald.com
Mehr über VBEN: vben.at

Alle Fotos: VBEN/APA-Fotoservice/Schedl
Zur APA Fotogalerie

Von links: Markus Marterbauer (AK Wien), Jean-Robert Tyran (Universit‰t Wien), Doris Tomanek (UniCredit Bank Austria AG), Andrew Oswald (University of Warwick), Corinna Fehr (VBEN), Matthias Sutter (Max Planck Institute zur Erforschung von Gemeinschaftsg¸tern in Bonn)

Von links: Markus Marterbauer (AK Wien), Jean-Robert Tyran (Universit‰t Wien), Doris Tomanek (UniCredit Bank Austria AG), Andrew Oswald (University of Warwick), Corinna Fehr (VBEN), Matthias Sutter (Max Planck Institute zur Erforschung von Gemeinschaftsg¸tern in Bonn)

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Spendenerfolg beim VBEN-Event mit Iris Bohnet

Beim VBEN-Netzwerktreffen im Oktober mit Keynote-Speakerin Iris Bohnet wurden auch Spenden für die MaLisa Stiftung gesammelt. Insgesamt kamen 817,20 Euro zusammen.

vben_bohnet_buecher2Gleich in zweifacher Hinsicht erfolgreich war das letzte Netzwerktreffen des „Vienna Behavioral Economics Network“ (VBEN) im Oktober in Wien. Zum einen zeigte sich das Publikum begeistert vom Vortrag der Schweizer Verhaltensökonomin Iris Bohnet. Sie erklärte sehr anschaulich, wie wir Erkenntnisse aus der verhaltensökonomischen Forschung nutzen können, um Chancengleichheit herzustellen.

Zu anderen wurden im Rahmen der Veranstaltung auch Spenden für die deutsche MaLisa Stiftung von Schauspielerin Maria Furtwängler und Musikerin Elisabeth Furtwängler gesammelt. MaLisa setzt sich mit konkreten Initiativen für eine freie und gleichberechtigte Gesellschaft, in der alle Geschlechter ihre Potenziale voll entfalten können, ein.

vben_bohnet_buecher6Für Interessierte lagen Exemplare von Bohnets Buch „What works: Wie Verhaltensdesign die Gleichstellung revolutionieren kann“ auf, die die Autorin im Anschluss an ihren Vortrag signierte. Gesponsert wurden die Bücher von FehrAdvice & Partners aus Zürich. Eine dafür aufgestellte Spendenbox befüllten die Besucherinnen und Besucher im Laufe des Abends reichlich. Insgesamt kamen 817,20 Euro an Spenden zusammen, die Summe wurde bereits an die Stiftung überwiesen.

Dafür ein herzliches Dankeschön im Namen aller Beteiligten!

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Alle Fotos: VBEN/APA-Fotoservice/Juhasz, Fotograf: Krisztian Juhasz

Iris Bohnets Keynote bei VBEN in Wien zum Nachschauen

Mit ihrem Vortrag „What works: Wie Verhaltensdesign die Gleichstellung revolutionieren kann“ war die Verhaltensökonomin und Experimentalforscherin Iris Bohnet am 10. Oktober 2017 zu Gast beim „Vienna Behavioral Economics Network“ (VBEN) in Wien. Die Schweizerin ist seit 2011 Dekanin der Wirtschaftsfakultät an der berühmten Harvard School in Cambridge, Massachusetts, forscht und publiziert unter anderem zu Themen wie Entscheidungs- und Verhandlungstheorie sowie Geschlechtergleichstellung.

Im Anschluss an ihre Keynote in den Räumlichkeiten der Österreichischen Nationalbank diskutierte Bohnet noch einige Aspekte des Verhaltensdesigns, die sie auch in ihrem Buch „What works“ ausführlich beleuchtet, mit Gundi Wentner, Gründungspartnerin von Deloitte Human Capital Österreich, und beantwortete Fragen aus dem Publikum.

Videos der Veranstaltung

Trailer:

Vortrag:

Diskussion:

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Iris Bohnet zu Gast in Wien: Wie Verhaltensdesign die Gleichstellung revolutionieren kann

Wie können wir die Erkenntnisse aus der verhaltensökonomischen Forschung nutzen, um Chancengleichheit herzustellen? Das erläuterte die Schweizer Verhaltensökonomin Iris Bohnet anschaulich bei ihrer Keynote in Wien auf Einladung des „Vienna Behavioral Economics Network“ (VBEN).

Ist ein attraktiver Mensch leistungsfähiger? Ist eine Bewerberin oder ein Bewerber besser für einen Job geeignet, weil sie oder er ein ähnliches Hobby betreibt wie ich? Ist ein Mann der geeignetere Kandidat, weil ich ihm eine Führungsrolle auf Grund seines Geschlechts eher zutraue als einer Frau? Die Antwort auf solche Fragen muss natürlich immer „Nein“ lauten, dennoch fließen wie überall im Leben auch in Bewerbungs- und Beförderungsprozessen irrationale Faktoren wie Aussehen, Sympathie und Vorurteile mit ein. Denn Menschen entscheiden nicht nur mit dem Kopf, sondern genauso mit dem Bauch, wie die verhaltensökonomische Forschung zeigt, und vorherrschende Muster lassen uns die Welt auf eine ganz bestimmte Weise betrachten. All das wirkt sich auch auf die Wirtschaft aus.

Vorurteilsfrei entscheiden heißt besser entscheiden

iris-bohnet3-vben_ c VBEN:APA-Fotoservice:Juhasz„Sobald wir jemanden sehen, passieren in unseren Köpfen unheimlich viele Dinge“, sagte die bekannte Verhaltensökonomin und Experimentalforscherin Iris Bohnet in ihrer Keynote beim Treffen des „Vienna Behavioral Economics Network“ (VBEN) am 10. Oktober in Wien. „Und wir reagieren darauf, obwohl sie keinen Einfluss zum Beispiel auf die Leistung haben.“ So würden viele von uns wohl eher einen Howard als eine Heidi als Führungskraft einstellen, auch wenn beide die gleichen Qualifikationen mitbringen, „weil Heidi einfach nicht dem entspricht, wie wir uns eine Unternehmerin vorstellen und weil sie auch nicht die Rolle der ‚typischen Frau‘ einnimmt.“ Dieses von Bohnet dargestellte Experiment wurde wirklich durchgeführt und zeigte, wie sehr uns festgesetzte Rollenbilder beeinflussen.

Wie es uns dennoch gelingt, gute Entscheidungen zu treffen, beschrieb Bohnet schon in ihrem vielbeachteten Buch „What works – Wie Verhaltensdesign die Gleichstellung revolutionieren kann“, das sie auch nach Wien mitbrachte. Verhaltensdesign liefert viele einfache, aber effiziente Werkzeuge, mit deren Hilfe wir alles, was über die reine Qualität hinausgeht, ausblenden können. Für die Schweizerin, die seit 2011 Dekanin der Wirtschaftsfakultät an der berühmten Harvard Kennedy School in Cambridge und seit 2012 auch Mitglied des Verwaltungsrates der Credit Suisse ist, steht immer die Frage im Mittelpunkt, was uns zu unseren Entscheidungen bewegt und wie wir es schaffen können, diese vorurteilsfrei nach ausschließlich objektiven Kriterien zu treffen.

Einfacher Vorhang, große Wirkung

iris-bohnet4-vben_ c VBEN:APA-Fotoservice:JuhaszWie bei all ihren Vorträgen war Bohnet auch beim jüngsten VBEN-Treffen in den Räumlichkeiten der Österreichischen Nationalbank die Aufmerksamkeit des auffallend jungen Publikums, wie Gouverneur Ewald Nowotny in seinen Begrüßungsworten feststellte, gewiss. Sehr praxisnahe erläuterte sie vor rund 180 Interessierten, wie wir die Erkenntnisse aus der verhaltensökonomischen Forschung nutzen können, um Chancengleichheit herzustellen und dadurch die Qualität zu heben.

Als Beispiel nannte sie unter anderem das Bostoner Symphonieorchester, in dem wie in vielen anderen Orchestern auch ein sehr niedriger Frauenanteil festgestellt worden war. Weil Frauen rational betrachtet aber kaum schlechtere Musiker als Männer sein dürften, musste es dafür einen anderen Grund geben. Also wurde mit dem denkbar einfachsten Mittel, einem Vorhang, dafür gesorgt, dass die Jury nur noch die Musik der Vorspielenden zu beurteilen hatte. Diese kleine Veränderung zeigte große Wirkung, denn plötzlich stieg der Anteil der Frauen erheblich an.

Mit Verhaltensdesign zu mehr Chancengleichheit

iris-bohnet6-vben_ c VBEN:APA-Fotoservice:Juhasz„Menschen machen Fehler, das ist ja auch die Prämisse der Verhaltensökonomie“, betonte Bohnet in weiterer Folge. Und Verhaltensdesign soll im Grunde nichts anderes bewirken, als solche Fehlerquellen zu Gunsten der Qualität zu minimieren. Für den Rekrutierungsprozess empfiehlt sie etwa ganz klar strukturierte Interviews mit objektiv vergleichbaren Bewertungskriterien. Das, ein einfacher Vorhang, technische Tools, auf die auch kleinere Unternehmen zurückgreifen können, eine genderneutrale Sprache in Stellenanzeigen, das Abdecken von Namen und anderen „verräterischen“ Daten bei Bewerbungen oder einfacher und gerechter gestaltete Tests sind allesamt Maßnahmen, die uns dabei helfen sollen, bessere (Personal-)Entscheidungen zu treffen.

iris-bohnet7-vben_ c VBEN:APA-Fotoservice:JuhaszAll das sorgt nicht nur für mehr Diversität, sondern in der Folge auch dafür, dass Unternehmen, Organisationen und Institutionen eine bessere Auswahl an Kandidatinnen und Kandidaten zur Verfügung steht. Etwa weil sich plötzlich Menschen für eine Stelle bewerben, die sich durch ein nicht gendergerechtes Wording nicht angesprochen gefühlt hätten, weil Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt und befördert werden, deren Chancen zuvor stark gemindert gewesen wären, oder durch das Schaffen von Rollenvorbildern alleine schon deshalb, weil sich Frauen dadurch überhaupt erst einmal zutrauen, die gleiche Karriere wie Männer machen zu können. Oft sind es dabei schon vermeintliche Kleinigkeiten. Lange Zeit sei nicht einmal ihr selbst aufgefallen, dass sich unter allen Porträtbildern herausragender Wissenschafter an ihrer Universität keine einzige Frau befand, so Bohnet. Nach dieser Erkenntnis habe man das freilich geändert, denn man müsse nur überlegen, was man den weiblichen Studierenden damit kommuniziert.

Es braucht auch neue Vorbilder

iris-bohnet8-vben_ c VBEN:APA-Fotoservice:Juhasz„Nicht alle Menschen bekommen die gleiche Unterstützung, um Leistung zu bringen“, gab Bohnet zu bedenken. Gundi Wentner, Gründungspartnerin von Deloitte Human Capital Österreich, weiß aus ihrer täglichen Praxis, wie wichtig es ist, Frauen bis in die Endrunde des Bewerbungsprozesses zu bringen. Ab dem Zeitpunkt, an dem alle Kandidatinnen und Kandidaten die gleichen Aufgabenstellungen zu lösen haben, spiele das Geschlecht dann meistens keine Rolle mehr, sagte sie im Gespräch mit Bohnet. Im Grunde beginne vieles sogar schon mit der Auswahl der BeraterInnen, wo Männer durchschnittlich einfach öfter Männer einstellen würden.

Es geht auch darum, einen Anfang zu machen, Vorbilder zu schaffen und Dinge, die nicht passen, klar sichtbar zu machen. Und wenngleich etwa eine Frauenquote nicht immer das Allheilmittel sein kann, kann sie unter Umständen als eine Art Werkzeug für mehr Geschlechtergerechtigkeit dienen. Ein Beispiel ist die vor Jahren in Indien eingeführte Quote für Bürgermeisterämter. Je mehr Frauen als Bürgermeisterinnen erfolgreich waren, umso mehr Eltern wollten Gleiches für ihre eigenen Töchter. Zuvor wäre das fast unvorstellbar gewesen. „Eine Frau hat dafür nicht gereicht, aber schon zwei haben die Stereotype bereits verändert“, so Bohnet.

Mehr Frauen in Führungspositionen bringen

Vielleicht ist eine der größten Hürden, bestehende Ungleichheiten überhaupt einmal als solche zu erkennen. Passiert das, würden viele immer noch an der Anpassung der internen Prozesse scheitern. Helfen können hier konkrete Zielvorgaben, sagt Bohnet. Und auch Anreize können dazu beitragen, dass das Management tatsächlich umsetzt, was das Verhaltensdesign vorschlägt.

Noch sei jedenfalls viel zu tun. Aber: „Es muss einmal begonnen werden. Es müssen mehr Frauen in Führungspositionen kommen, damit sich auch langfristig etwas ändert.“

Mehr über VBEN und kommende Veranstaltungen: vben.at

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Alle Fotos: VBEN/APA-Fotoservice/Juhasz, Fotograf: Krisztian Juhasz
Zur APA-Fotogalerie: www.apa-fotoservice.at/galerie/10390/

VBEN-Events im Herbst

Das Vienna Behaviorial Network (VBEN) startet mit gleich drei spannenden Events in den Herbst.

Aldo Rustichini: „Morality, Policy and the Brain“
Aldo Rustichini ist Professor für Ökonomie an der University of Minnesota. In seiner Forschung setzt er sich intensiv mit der Spiel- und Entscheidungstheorie, mit experimenteller Ökonomie und Neuroökonomie auseinander.
20. September 2017, 18:30-20:00 Uhr
Deloitte Wien, Renngasse 1/Freyung, 1010 Wien
Link zur Veranstaltung

Iris Bohnet: „What works – Gender Equality by Design“
Wie wir mit Hilfe von Verhaltensdesign echte Chancengleichheit schaffen und wie davon nicht zuletzt Wirtschaft, Politik und Gesellschaft profitieren, wird die Schweizer Verhaltensökonomin Iris Bohnet erläutern. Zu diesem Thema hat sie auch ihr aktuelles Buch „What Works: Gender Equality by Design“ verfasst, das sie ebenfalls im Gepäck haben wird. Bohnet ist Professorin für Public Policy an der Harvard Kennedy School in Cambridge, Massachusetts. Zu ihren Schwerpunkten zählen Entscheidungs- und Verhandlungstheorie sowie Geschlechtergleichstellung.
10. Oktober 2017, 18:30-20:00 Uhr
Österreichische Nationalbank, Otto-Wagner-Platz 3, 1090 Wien
Link zur Veranstaltung

Andrew Oswald: Happiness and Work
Der britische Ökonom Andrew Oswald, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Warwick, ist Experte für Arbeitsökonomie und forscht intensiv in den Grenzbereichen zwischen Ökonomie, Epidemiologie und Psychologie.
14. November 2017, 18:30-20:00 Uhr
Ort: noch offen
Link zur Veranstaltung

Mehr Infos und Anmeldung unter vben.at

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Vienna Behavioral Economics Network: „The Power of Nudges – Einsatz & Grenzen sanfter Stupser“

Seit Richard Thalers und Cass Sunsteins Buch “Nudge” sind die kleinen Stupser, die das Verhalten von Menschen in gewünschte Richtungen lenken können, ein grosses Thema für viele politische Entscheidungsträger: Sunstein berät Barack Obama, Thaler arbeitete für öffentliche Auftraggeber in Dänemark, Frankreich und Grossbritannien, wo der ehemalige Premier David Cameron 2010 ein “Behavioral Insights Team” eingerichtet hat.

Am 5. Dezember diskutieren wir nun den Einsatz und die Grenzen der sanften Stubser – wie immer mit hochkarätigen Gästen: Jean-Robert Tyran (Universität Wien) spricht über „Von der Wissenschaft zur Praxis: Möglichkeiten und Grenzen der Verhaltensökonomik” und Gerhard Fehr (FehrAdvice & Partners) spricht zum Thema “Verhaltensökonomie ist nicht Nudging – aber Nudging ist Verhaltensökonomie. The Power of Nudges – Einsatz und Grenzen sanfter Stupser”.

Behavioral Economics: The Power of Nudges – Einsatz & Grenzen sanfter Stupser

Wann: Montag, 5. Dezember 2016

Wo: Haus der Industrie, Schwarzenbergplatz 4, 1031 Wien

Weitere Infos und Anmeldung: Veranstaltungswebseite – Behavioral Economics: The Power of Nudges – Einsatz & Grenzen sanfter Stupser

Save the Date: Das erste Vienna Behavioral Economics Network am 7. September!

Politik ist häufig von Ideologie geprägt. Auch wenn die Absichten hinter politischen Interventionen oder Gesetzen gut sind, in den seltensten Fällen werden vor der Umsetzung die tatsächlichen Wirkungen – und vor allem – Nebenwirkungen auf Basis empirischer Daten diskutiert. Das jeweilige Weltbild bestimmt die Argumente und damit die Diskussion.

Wie es anders geht und wie in der Politik auf Basis experimenteller Daten bessere Entscheidungen getroffen werden können, diskutieren wir mit hochkarätigen Referenten beim ersten Treffen des Vienna Behavioral Economics Network (VBEN). Die beiden Verhaltensökonomen John List (University of Chicago) und Jean-Robert Tyran (Universität Wien) sprechen über das grosse Potenzial von Feldexperimenten für eine evidenzbasierte Politik.

Behavioral Economics: Field Experiments as a Revolution in Economics & Politics

Wann: 7. September 2016, ab 18:30 Uhr

Wo: Haus der Industrie, Schwarzenbergplatz 4, 1031 Wien

Alle Infos finden sich auch auf unserer Veranstaltungswebseite.