Politisches Handeln: Strategische vs. operative Ziele

Verantwortung ist der Schlüsselbegriff der Arena-Analyse 2013. Politiker sollten sich ihrem eigenen Handeln stärker verpflichtet fühlen, lautet ein Fazit. Es geht dabei allerdings weniger um Verantwortung im moralischen Sinne, sondern vielmehr um ein Bekenntnis zu selbstgesteckten Zielen.

Die für die Arena Analyse befragten Experten konstatieren einen „Vertrauensverlust“ in das politische System. Die österreichischen Bürger trauen dem politischen Führungspersonal die Lösung bestehender Herausforderungen kaum mehr zu. Diese Situation ist nicht bloß unbefriedigend, sondern gleichzeitig drängend.

Es bedarf eines grundlegenden Wandels von Verantwortlichkeit innerhalb des politischen Systems. Bloße Absichtserklärungen, die großen Herausforderungen wie etwa die Reform des österreichischen Bildungssystems anzugehen, reichen nicht aus. Es braucht klare Ziele, an denen sich Handeln und Erfolg messen lassen.

Diese sind Voraussetzung für eine werthaltige Evaluation des politischen Handelns. Die Formulierung einer Vision (z. B.: „Österreich soll die führende Bildungsnation in Europa werden“) ist notwendig, jedoch nicht ausreichend.

Strategische Ziele vs. operative Ziele

Hier kann die Politik über ihren eigenen Tellerrand hinausblicken und sich Gutes aus anderen Systemen zunutze machen. So geben in der Wirtschaft strategische Ziele (z.B.: „Österreich soll ein besseres Bildungssystem bekommen“) die Richtung vor. Sie bestimmen den Handlungsrahmen; können allerdings nicht alleine stehen bleiben. Erst das Formulieren operativer Ziele ermöglicht eine sinnvolle Bewertung des politischen Handelns.

Operative Ziele zeichnen sich dabei durch ihre eindeutige Messbarkeit aus. Sie entsprechen der Strategie im Konkreten und gestalten sie aus. Operative Ziele müssen erreichbar und ergebnisorientiert sein (z.B.: „Bis 2018 soll es 20 Prozent mehr Lehrpersonal an Universitäten geben). Sie bilden die Basis einer Bewertung politischen Handelns.

Mehr persönliche Verantwortlichkeit ist notwendig

Eben diese Bewertung kann der Schlüssel zu besseren politischen Ergebnissen sein. Bisher werden die wichtigen Herausforderungen in Österreich zumeist im Großen angegangen. Dies führt zu einer diffusen Verteilung von Verantwortung. Das Führungspersonal in der Regierung fühlt sich kaum persönlich für die erzielten Ergebnisse verantwortlich.

Dies sehen auch die in der Arena Analyse befragten Experten so. Sie stellen fest, dass „eine konkrete Accountability der politisch Verantwortlichen“ (S. 21) fehlt. Ohne die Formulierung von strategischen und operativen Zielen jedoch, kann genau diese geforderte Verantwortlichkeit kaum entstehen. Das Verständnis für ein Herunterbrechen politischer Herausforderungen in strategische und vor allem operative Ziele wird so zur Grundvoraussetzung eines frischen Winds im politischen System Österreichs.

Stellt sich die Frage, wie strategische und operative Ziele für politisches Handeln formuliert werden können. Wie kann die Politik zu realistischen und gleichzeitig konkreten Zielen kommen? In welchen Aspekten unterscheiden sich Zielformulierungen in der Politik von Zielen in der Privatwirtschaft? Diesen Fragen werde ich mich in meinem nächsten Artikel widmen.

„Politik im Zeitalter der Verantwortung“: Wie kann diese aussehen?

Die vernetzte Welt von heute mit ihren komplexen politischen Prozessen macht es notwendig, politische Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Seit 2006 führt das Public Affairs Beratungsunternehmen Kovar & Köppl die Arena Analyse durch und möchte damit genau dies leisten.

Im Jahresabstand werden dazu Experten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu zukünftigen Herausforderungen qualitativ und offen befragt. Durch eine breit angelegte Auswertung ergibt sich so ein Bild von Themen, die noch unter der Oberfläche schlummern, jedoch bald relevant und prägend werden.

Die Ergebnisse der Arena Analyse 2013 standen unter dem Motto „Politik im Zeitalter der Verantwortung“. Viele Bürger in Österreich nehmen einen „Reformstau“, eine „sinkende Problemlösungskapazität“ der Politik oder gar einen „politischen Stillstand“ wahr. Die Ansprüche an Politik im Jahre 2013 sind gewaltig, während gleichzeitig das Vertrauen in selbige zunehmend zu schwinden scheint. Weiterlesen

Zukunftsthema Resilienz

Seit 2006 führt das Beratungsunternehmen Kovar & Köppel  die sogenannte Arena Analyse durch. Diese wurde die letzten 4 Jahre gemeinsam mit der deutschen Wochenzeitschrift  Die Zeit und für den Bericht 2012 auch mit der österreichischen Tageszeitung Die Presse durchführt.

Die Erarbeitung möglicher Zukunftsthemen erfolgte in einer offenen Befragung von Zukunftsforschern, Gesellschaftswissenschaftlern, Politikern, Unternehmern oder Naturwissenschaftlern. Dabei geht es, so schreiben sie im Vorwort ihrer Publikation, um die Früherkennung „gesellschaftlicher Entwicklungen, um dieses Wissen als Grundlage für wettbewerbsfähigere Lösungen und für die Mitgestaltung politischer Entwicklungen zu nutzen“.

Der Bericht 2012 widmet sich der steigenden Bedeutung von Resilienz, bei Wikipedia beschrieben als „die Toleranz eines Systems gegenüber Störungen“.

Die Präsentation des Berichtes ist auch auf YouTube abrufbar.  Darin erhält man  im 2. Teilvideo einen schönen Überblick über die Ergebnisse des Arena Berichtes. Diese besagen, dass es in Hinkunft nicht mehr um das Bekämpfen von Veränderungen, sondern um die Bewältigung derselben geht. Somit müssen Anpassungsstrategien gegen die negativen Folgen der Veränderungen entwickelt werden. Die Konsequenz aus vielen derzeit schon bekannten Entwicklungen wie Klimawandel, demographische Entwicklung, Finanzkrise, etc. ist unter anderem eine verstärkte Migration in Richtung Europa mit all ihren Konsequenzen (verstärkte Einwanderung, Armutsbekämpfung, verstärkte organisierte Kriminalität im Zusammenhang mit Menschenhandel, etc.).

Die weiteren Videos der Präsentation sind hier zu finden.

Links:
Publikation:  Arena Analyse 2012 – Östereich: „Resilienz oder Katastrophe“
Artikel in der ZEIT (13.1.2012)
Artikel in der Presse (11.1.2012)

Workshop PE/OE in Projektstrukturen

Ich bereite mich derzeit auf meine IPMA-Zertifizierung als Projektmanagerin vor.

Dazu leiste ich mir die Vorbereitungsseminare bei Roland Gareis Consulting (RGC). Obwohl PM eine eigentlich sehr trockene Materie ist, werden die Inhalte von Stefan Fiedler sehr lebendig, kurzweilig und interessant aufbereitet.

Im Zuge meiner Vorbereitungen durfte ich nun  letzte Woche bei RGC an zwei kostenlosen Analyse Workshops  zu den Themen Maturity von Projektpersonal und Projektmanagement-Maturity von Unternehmen teilnehmen. Auch hier konnte ich mir an beiden Tagen wieder sehr wertvolle Inhalte mitnehmen. Ebenfalls war es durch die sehr heterogene Zusammensetzung der Teilnehmerinnen interessant zu hören wie Projektmanagement (PM)  in anderen Unternehmen gelebt wird.

Im ersten Wirkshop ging es um die Frage, wie ich im Unternehmen oder einem Team feststellen kann, ob die einzelnen Personen PM-fit sind.

Im zweiten Workshop haben wir uns die „Reife des Unternehmens“ in Hinblick auf Projektmanagement (PM) angesehen.

Für beide Betrachtungsweisen hat die Roland Gareis Consulting ein eigenes Modell entwickelt. Ebenfalls hat Stefan Fiedler einen strukturierten und umfangreichen Fragebogen vorgestellt, der für (Self-) Assesments verwendet werden kann.

Mich interessierte schon seit längerem die Frage, wie kleine Unternehmen (ab 10 Mitarbeitern)  in ihrer Organisationsentwicklung PM zur Weiterentwicklung verwenden können.

Hier habe ich gelernt, dass dort, wo es in Unternehmen Projekte gibt oder anders ausgedrückt, das Geschäft tatsächlich in Projektform abgewickelt wird, machen die PM-Methoden Sinn. Aber eben nicht nur für die Pojektabwicklung selbst, sondern eben auch für die Managementprozesse (z.B. Reporting) In dem Zusammenhang habe ich auch die project score card (in Anlehnung an die Balance Score Card) kennen gelernt.

Das klingt im ersten Schritt logisch. Für mich blieb dann aber immer noch die Frage offen, warum kleine Unternehmen das tun sollten? Hier konnte ich aus der Diskussion mitnehmen, dass ich mit dem PM-Ansatz ein „Mehr“ an Management in meine Organisation bringe und somit ein Mehr an Führung und ein Mehr an notwendiger Personalentwicklung. Dadurch kann das Unternehmen, wenn das alles tatsächlich angewandt und gelebt wird und einem „höheren Reifegrad“ erreichen.

Das klingt für mich logisch. Für die Machbarkeit braucht es natürlich immer den Willen und die Personen die das „treiben“.

Jedenfalls haben mir beide Workshops wirklich viel Spaß gemacht!