Archiv für den Monat: Juli 2017

Diversität und Leistungsorientierung stärken den Wirtschaftsstandort

Wie wirkt es sich auf den Wirtschaftsstandort Österreich aus, wenn wir Diversität und Leistungsorientierung aktiv und nachhaltig fördern? Diese Frage hat die Plattform anpacken.at in den Mittelpunkt einer Veranstaltung im Rahmen des Chapters „Wertschöpfung und Produktivität“ am 10. Juli 2017 gestellt. Gemeinsam mit Bundesminister Thomas Drozda und Franz Schellhorn von Agenda Austria habe ich am Podium über dieses wichtige Thema diskutiert und dabei auch Aspekte der Verhaltensökonomie eingebracht.

Impulskontrolle und Belohnungsaufschub

anpacken-event1Unter anderem habe ich über die Bedeutung von Impulskontrolle und Belohnungsaufschub gesprochen. Der Psychologe Walter Mischel hat schon in den 60er-Jahren mit seinem Marshmallow-Test gezeigt, wie unterschiedlich Menschen mit Verlockungen umgehen. In seinem Test durften Kleinkinder eine Süßigkeit entweder sofort essen oder abwarten, um als Belohnung ein paar Minuten später einen zweiten Marshmallow zu bekommen. Im Langzeit-Experiment hat sich gezeigt, dass Menschen, die abwarten können, um danach mehr oder Besseres zu bekommen, später im Berufs- und Privatleben tendenziell erfolgreicher sind. Es sich lohnt sich also, geduldig zu sein, anstatt auf kurzfristige Erfolge zu setzen. Ich habe das auch im Hinblick etwa auf Wahlkampfgeschenke gesagt, denn in der Politik gilt es genauso, langfristige Anreize zu schaffen.

Warum es Sinn macht, geduldig zu sein, erklärt der Verhaltensökonom Matthias Sutter im FAZ-Interview.

Diversität erhöht die Qualität

Zum Thema Diversität habe ich die Schweizer Verhaltensökonomin Iris Bohnet, die an der Kennedy School in Harvard lehrt, ins Spiel gebracht. Wird Diversität gefördert, sagt sie, wirkt sich das ebenfalls positiv auf den Erfolg aus. Das hat viel damit zu tun, dass wir Menschen gerne vergleichen: beim Einkaufen genauso wie etwa bei der Auswahl von Führungskräften. Haben wir die Möglichkeit, aus einem breiteren Angebot auszuwählen, hebt das die Qualität insgesamt. Eine Frauenquote in Aufsichtsräten begrüße ich daher sehr und wünsche mir sogar, dass diese später noch einmal auf 40 Prozent erhöht wird.

anpacken-event3„Seeing is believing“, sagt Iris Bohnet. Das heißt: Wenn wir die Rahmenbedingungen ändern, schaffen wir neue Vorbilder und das beeinflusst Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nachhaltig. Ein gutes Beispiel dafür ist Indien. Nach der Einführung einer Frauenquote für Bürgermeisterämter haben sich in Dörfern, in denen Bürgermeisterinnen regiert haben, die öffentlichen Güter erhöht. Angesichts des Erfolgs der Frauen wollten schließlich immer mehr Eltern ihre Töchter ebenfalls in solchen Ämtern sehen. Damit hat die Quote auch gesellschaftlich etwas verändert, denn in Indien ist der Stellenwert von Frauen generell eher niedrig. Bohnet nennt aber auch das Negativbeispiel Norwegen. Dort hatte man eine Frauenquote relativ früh eingeführt, doch im Zuge der Krise haben die Finanzmärkte darauf negativ reagiert. Ein Grund könnte sein, dass Frauen seltener entlassen als Männer. Insgesamt hat sich aber gezeigt, dass sich dort, wo mindestens eine Frau im Aufsichtsrat sitzt, die Kennzahlen verbessern.

Hier ein ausführliches Gespräch mit Iris Bohnet in der Sendung „NZZ Standpunkte“.

Als Argument gegen eine Frauenquote wird häufig genannt, dadurch würde eher eine weniger qualifizierte Frau eingestellt werden als ein besserer männlicher Bewerber. Warum das nicht stimmt, zeigt der Zeit-Online-Artikel „Eine Gefahr für den mittelmäßigen Mann“ sehr gut auf. Im Gegenteil führt die Quote nämlich eher dazu, dass fähigere Mitarbeiterinnen und auch Mitarbeiter an die Stelle von weniger kompetenten Männern treten. Für den „mittelmäßigen Mann“ ist das tatsächlich eine Gefahr, für alle anderen jedoch ein Gewinn.

Wenn wir Diversität und Leistungsorientierung stärker fördern, wird das den Wirtschaftsstandort Österreich nachhaltig attraktiver machen, davon bin ich überzeugt. Für mich ist es eine sehr spannende Veranstaltung gewesen, bei der ich auch ein wenig von meinem „Vienna Behavioral Economics Network“ erzählen durfte. Indem wir dort die Verhaltensökonomie in die Praxis bringen, versuchen wir ähnlich wie auch anpacken.at, etwas zu verändern.

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Fotos: anpacken.at