Archiv für den Monat: September 2013

Denke groß, fang klein an…

Der Wille zur Innovation, strategisches Denken und Unternehmergeist – dafür steht die Schumbeta-Konferenz in Wien. Am 6. und 7. September präsentierten bereits zum vierten Mal mehrere Sprecher aus der Wirtschaft ihre Projekte, Ideen und Gedanken zu den Themen Innovation und Innovationsstrategie.

Eine der beiden Keynotes hielt Carl von Gablenz. Der Nachkomme berühmter deutscher Luftfahrtpioniere machte Mitte der 1990er bis Anfang der 2000er Jahre mit einer visionären Idee von sich reden. Er plante nicht weniger als eine Renaissance der kommerziellen Großschiffluftfahrt. Seine Idee: Der Transport von bis zu 160 Tonnen Ladung über eine Entfernung von mehreren tausend Kilometern mithilfe moderner Großluftschiffe.

Zu hohe Entwicklungskosten sowie ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld führten jedoch schließlich zur Insolvenz des Unternehmens im Jahre 2002. In seiner Schumbeta-Keynote sprach von Gablenz über den fulminanten Aufstieg, das Scheitern und warum es radikale Innovationen schwer haben sich am Markt durchzusetzen.

Dabei formulierte er zehn Thesen:

  1. Wenn du Angst hast, lass es bleiben.
  2. Es nicht zu wagen, würdest du dir nie verzeihen.
  3. Denke GROSS, fang KLEIN an.
  4. Der wahre Große ist der Kleine.
  5. Alle Wege führen nach Rom.
  6. Du überzeugst nie alle.
  7. Der wichtigste Geist ist der Zeitgeist.
  8. Perfektion ist Zeitlupe.
  9. Pflege deine Freunde, meide deine Feinde und hüte dich vor deinen Scheinfreunden!
  10. Interesse zählt erst, wenn es mit Geld unterlegt ist.

Was lässt sich aus diesen Thesen für das Projektmanagement lernen?

Insbesondere die dritte von von Gablenz’ Thesen ist für das Projektmanagement wertvoll. Der große Rahmen, die große Vision bei Entwicklungsprojekten muss klar sein. Doch für eine kluge Umsetzung reicht die Vision bei weitem nicht aus. Im Gegenteil. Das Wesentliche ist das Definieren von strategischen und – noch wichtiger – smarten operativen Zielen. Erst diese ermöglichen eine effektive und effiziente Steuerung von Projekten.

Im Rahmen meiner Tätigkeit bei Siemens Electronic Tolling sind wir genau nach diesem Prinzip vorgegangen. Für die Entwicklung und Markteinführung eines umfassenden elektronischen Maut-Systems haben wir die große Lösung vor Augen gehabt, jedoch im Kleinen begonnen.

Mit der Planung und der Entwicklung von Pilotanlagen konnten wir beispielsweise – bei relativ geringem Risiko – Erfahrungen sammeln, unsere Ziele überprüfen und anpassen sowie die Idee im Großen optimieren. Das Zerlegen des großen Ganzen in kleinere, bearbeitbare Segmente ermöglichte erst den erfolgreichen Abschluss des Projektes. Durch die schrittweise Annäherung nahm die umfassende Maut-Gesamtlösung als große Vision Gestalt an. Mit der Slowakei übernahm daraufhin auch erstmals ein ganzes Land die Siemens Electronic Tolling-Lösung – ganz im Sinne der These des Visioniärs von Gablenz: „Denke groß, fang klein an“.