Archiv für den Monat: August 2013

Alpbach-Workshop: In das nächste Regierungsprogramm müssen Zielvereinbarungen

„Im nächsten Regierungsprogramm soll nicht nur stehen, welche Ziele die neue Bundesregierung verfolgt, sondern auch mit welchen ganz konkreten Maßnahmen sie diese Ziele erreichen will“ (Link zur OTS-Meldung) – so lässt sich das Ergebnis unseres Arbeitskreises auf dem Europäischen Forum Alpbach 2013 zusammenfassen.

Auf Basis der Ergebnisse der Arena Analyse 2013 diskutierten wir, was es braucht, um das Vertrauen der Bürger in die Politiker und deren politisches Handeln zurück zu gewinnen. Bisher geht die Politik die großen Herausforderungen wenig strukturiert und zielorientiert an.

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Für die Diskussion im Rahmen unseres Alpbach-Workshops entschieden wir uns dieses Mal für eine intensive und direkte Einbindung der Teilnehmer. Ein „Gamestorming“-Setting sowie eine abgewandelte Form eines World-Cafes sorgten für eine dynamische und inspirierende Atmosphäre unter den Workshop-Teilnehmern. An Thementischen entwickelten die Teilnehmer Ideen und Lösungsansätze zu wichtigen Fragen rund um Ergebnisverantwortung in der Politik.

Was das Projektmanagement beisteuern kann

Die Ergebnisse sind eindeutig: Mehr persönliche Verantwortlichkeit im politischen System, mehr Transparenz bei politischen Prozessen und mehr Möglichkeiten der Partizipation sind dringend notwendig.

Auch was die Formulierung von strategischen und smarten operativen Zielen vor einer Regierungsperiode sowie die Evaluierung der Ergebnisse im Anschluss daran angeht, herrschte Einigkeit: Es braucht das Prinzip Ergebnisverantwortung in der Politik. Betroffene müssen stärker in Diskussion und Evaluierung eingebunden werden.

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Der Ansatz Ziele SMART zu formulieren, stammt aus dem Projektmanagement und sichert die Messbarkeit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Zielvorgaben. Wichtig ist dabei vor allem, dass auf operativer Ebene realistische Ziele formuliert werden. So lässt sich nicht bloß die persönliche Verantwortlichkeit von Politikern sowie der politische Output insgesamt verbessern, sondern es steigt auch die Akzeptanz für politische Entscheidungen und Maßnahmen in der Bevölkerung.

Wie geht es weiter?

Die Ergebnisse des Workshops sind eine klare Forderung an die Politik: Für bessere Ergebnisse sind Instrumente wie klare Zielvorgaben und Evaluierungsprozesse und die Diskussion mit möglichst vielen Betroffenen nötig. Schon das kommende Regierungsprogramm soll dazu strategische und smarte operative Zielvorgaben enthalten. Gespräche mit den einzelnen Justizsprechern der Parlamentclubs sind bereits geplant.

Alpbach 2013: Das Prinzip Ergebnisverantwortung in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik

Bereits seit etwa einer Woche läuft das Europäische Forum Alpbach 2013. Im tirolerischen Alpbach treffen sich jährlich Persönlichkeiten und Interessierte aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft um sich auszutauschen und aktuelle Themen und Herausforderungen zu diskutieren.

Einen wesentlichen Teil des Forums bilden die Alpbacher Gespräche. Sie werden in Form von Talks, kurzen Konferenzen und Workshops abgehalten. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Gesundheit, Politik, Finanzmarkt, Technologie und Wirtschaft.

Im Rahmen des Schwerpunkts Wirtschaft gestalte ich heuer gemeinsam mit Klaus Weissmann, Gottfried Haber, Aslan Milla und Peter Hajek einen Arbeitskreis. Inhaltlich wird die als Workshop angedachte Diskussion an die Forderung der Arena Analyse 2013 nach mehr Verantwortlichkeit in der Politik anknüpfen.

Wie sehen Lösungsansätze aus?

Wie schon in meinen vergangenen Blog-Artikeln erörtert (siehe Was kann die Politik vom Projektmanagement lernen?Politisches Handeln: Strategische vs. operative Ziele„Politik im Zeitalter der Verantwortung“: Wie kann diese aussehen? ), braucht es eine neue Form der Verantwortlichkeit in der österreichischen Politik. Die Bürger sind unzufrieden, wichtige gesellschaftliche und politische Herausforderungen werden unzureichend angegangen und die Qualität des politischen Outputs ist nicht ausreichend.

Es ist Zeit diese Probleme anzugehen:

  • Welche Lösungsansätze gibt es um zu einer besseren Politik zu kommen?
  • Können Ansätze aus dem Projektmanagement das politische System bereichern und den Output verbessern?
  • Was passiert wenn Politiker stärker für ihr (Nicht-)Handeln verantwortlich gemacht würden?

Diese und andere Fragen rund um das Thema „Ergebnisverantwortung in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik“ möchten wir gerne am 28. August im Rahmen des Arbeitskreises diskutieren. Um dem komplexen und vielschichtigen Thema gerecht zu werden, eine dynamisch inspirierende Workshop-Atmosphäre zu schaffen und die „wisdom of the crowd“ zu nutzen, werden wir auf eine abgewandelte Version eines World-Cafes setzen – ein Pro-Action-Cafe.

 

Arbeitskreis 02: Zuletzt wird abgerechnet: Das Prinzip Ergebnisverantwortung in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik
28.08.2013, 11:00-13:30
Hauptschule
Breakout / Working Group in deutscher Sprache
weitere Informationen: alpbach.org

Was kann die Politik vom Projektmanagement lernen?

Die Ergebnisse der aktuellen Eurobarometer-Befragung sind eindeutig: Nur jeder zweite Österreicher vertraut der österreichischen Regierung, nur 53 Prozent vertrauen dem Parlament und nur noch 37 Prozent vertrauen den politischen Parteien in Österreich. Zwar steht Österreich im EU-Vergleich noch recht gut da, doch der Trend zeigt eine weiter absteigende Tendenz. Die Österreicherinnen und Österreicher verlieren mehr und mehr das Vertrauen in ihre politische Institutionen.

Die in der Arena Analyse 2013 befragten Experten sehen einen Grund für diese Entwicklung in der fehlenden Verantwortlichkeit des politischen Führungspersonals. Durch ein fehlendes Commitment von Regierungspolitikern zu ihren selbstdefinierten Zielen, kommt es zum viel diskutierten „politischen Stillstand“. Die großen politischen Herausforderungen werden nicht angegangen.

Wie bereits in anderen Artikeln erläutert, fehlt es vor allem an einem: klar definierte und evaluierbare Ziele. Das Prinzip der Verantwortlichkeit für das eigene Handeln muss Einzug in das politische System in Österreich halten. Das in der Wirtschaft bewährte Prinzip des Herunterbrechens von Visionen in strategische und operative Ziele könnte politische Prozesse bereichern und für mehr Bewegung in Zeiten politischen Stillstands sorgen.

Die Politik kann vom Projektmanagement lernen

Doch wie könnte dies in der Realität politischer Prozesse aussehen? Hier hilft ein Blick über den Tellerrand hinaus in Richtung Projektmanagement. Üblicherweise steht am Beginn eine Vision. Die gibt es zumeist bereits in der Politik. Insbesondere in Zeiten von Wahlkampf und intensivem politischen Wettbewerb, werben Politiker vor allem mit Visionen um die Gunst der Wählerinnen und Wähler.

Doch genau hier muss es nun auch konkreter werden. Wie wäre es zum Beispiel, wenn die gewählte Regierung diese Visionen nach einer Wahl in strategische und operative Ziele für eine Regierungsperiode konkretisiert? Dabei wäre wichtig, dass die Ziele im zeitlichen Rahmen umsetzbar, spezifisch, realistisch und messbar sind: sie sollten smart formuliert sein. So könnte der Rechnungshof der Regierung das Erreichen der selbst definierten Ziele überwachen und kritisch begleiten. Dem Parlament würden entsprechend sogenannte Midterm Reviews (Zwischenberichte) und die Endergebnisse berichtet werden.

In der Analogie zum Projektmanagement im Kontext der Privatwirtschaft fungieren Rechnungshof und Parlament als eine Art Aufsichtsrat – im Sinne von Kontrolle und Controlling. Die Regierung bzw. die in der Regierung agierenden Politiker hätten sich viel stärker zu ihren eigenen Aussagen und Zielen zu commiten. Sie wären für ihr Handeln viel stärker verantwortlich.

Große politische Herausforderungen vom Konkreten angehen

Übersetzt in das politische System in Österreich hieße dies, dass die regierungsbildende Koalition in ihren Koalitionsverhandlungen ein Regierungsprogramm mit konkreten strategischen und operativen Zielen ausformuliert. Derzeit sind Regierungsprogramme eher durch lose Absichtserklärungen gekennzeichnet und offen gestaltet.

In Anlehnung an das Projektmanagement könnte in Zukunft die Regierung ein solches Programm dem Parlament im Rahmen der Regierungserklärung  vorstellen. Das Parlament und der Rechnungshof als Kontrollinstanzen hätte damit deutlich mehr Einfluss und Steuerungskontrolle über die Handlungsabsichten der Regierung. Zum Abschluss einer Regierungsperiode würden die selbstdefinierten Ziele, zu denen sich die Regierung bekannt hat, wiederum vom Parlament beispielsweise mit Unterstützung des Rechnungshofes evaluiert.

Die Auswirkungen gingen dabei weit über mehr Transparenz und Verbindlichkeit in der Politik hinaus. Mit dem Bekenntnis zu messbaren und verbindlichen Zielen würden sich auch die Ziele und damit die politischen Handlungen selbst ändern. Die großen politischen Herausforderungen würden in kleinere Projekte zerlegt und bearbeitet. In der Gesamtheit ergäben die vielen kleinen Bausteine dann die große Reform.

Wie könnten Konsequenzen aussehen?

So stellt sich zwangsläufig die Frage nach den Konsequenzen, die eine Evaluierung durch den Rechnungshof und das Parlament mit sich bringen müsste. Wie kann das Erreichen bzw. Verfehlen von Zielen sanktioniert werden? Diese und andere Fragen sind natürlich entsprechend zu diskutieren. Fest steht jedoch, dass es einen Wandel des Systems politischer Prozesse in Österreich braucht.

Im Sinne eines klugen Projektmanagements gilt jedoch auch für meine Vorschläge zur Optimierung der derzeitigen Abläufe politischer Prozesse: Eine mögliche Implementierung muss sinnvoll und nachhaltig angegangen werden.

Zum Beispiel indem man die skizzierte Vorgangsweise zur Formulierung von strategischen und operativen Zielen zunächst auf drei wichtige, gleichzeitig jedoch einfach strukturierte Vorhaben anwendet. So könnten Regierung, Verwaltung und die Kontrollinstanzen Erfahrungen sammeln und testen, wie die Details solcher Prozesse aussehen.